Den Schneiderballen könnte man als Geschwisterchen des Hallux valgus bezeichnen, denn er befindet sich genau auf der anderen Seite des Fußes. Der Hallux valgus entsteht am Grundgelenk der Großzehe, der Schneiderballen hingegen am Grundgelenk des kleinen Zehs.

Der Überlieferung nach heißt es, dass der Schneiderballen seinen Namen von der Berufsgruppe der Schneider:innen bekommen hat. Diese saßen früher häufig im Schneidersitz auf dem Boden, was Druck auf den entsprechenden Bereich brachte. Das sollte einer der Gründe für die Entstehung sein.

Was wirklich dahinter steckt und wie du einem Schneiderballen entgegenwirken kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

 

Was ist ein Schneiderballen?

Ein Schneiderballen, auch Bunionette genannt, ist eine Vorwölbung des 5. Mittelfußköpfchens. Der kleine Zeh kann dabei mehr oder weniger stark nach innen geneigt sein, sodass ein Überbein an der Fußaußenkante entsteht und sich der Fuß verbreitert.

Woher weißt du, ob du einen Schneiderballen hast?

 

Symptome des Schneiderballens

Oft ist so, dass du zunächst gar keine Symptome spürst. Schmerzen und Beschwerden kommen häufig erst, wenn deine Füße und der entstehende oder bestehende Schneiderballen durch deine Schuhe eingeengt werden und dadurch noch mehr Druck auf die Stelle ausgeübt wird. Wenn das zweite Stadium erreicht ist, kann der Schneiderballen sehr schmerzen. Bei starker Ausprägung verschiebt sich der kleine Zeh weit in Richtung des vierten Zehs. Dies kann also auch Druckstellen am vierten Zeh verursachen.

Damit du weißt, wie du einem Schneiderballen vorbeugen kannst, ist es wichtig zu verstehen, wie er überhaupt entsteht.

Beispiel Schneiderballen

 

Mögliche Ursachen des Schneiderballens

Es gibt verschiedene Gründe, die zu einem Schneiderballen führen können:

  • In seltenen Fällen ist er angeboren
  • Der Spreizfuß als Ursache
    Eine der häufigsten Ursachen ist der sogenannte Spreizfuß. Beim Spreizfuß kommt es zu einer fächerförmigen Abweichung der Mittelfußknochen, was verschiedene Fehlstellungen begünstigt, wie u.a. den Schneiderballen.
    Meiner Meinung nach entsteht er, weil wir unsere Füße nicht mehr in ihrer natürlichen Funktion nutzen und zu oft und zu lange Schuhe tragen, die den Fuß einschränken. So haben die meisten Schuhe eine kleine Erhöhung an der Ferse, die wir manchmal gar nicht sehen, da sie im Inneren der Sohle liegen. Auch Kinderschuhe sind schon damit ausgestattet, weshalb wir quasi unser ganzes Leben in Schuhen verbringen, die unseren Füßen nicht guttun. Denn durch den Absatz ist die Ferse immer ein wenig erhöht, was die Gewichtsverteilung auf dem Fuß beeinflusst. Lagert zu viel Gewicht auf dem Vorfuß, kann das einen Spreizfuß begünstigen. Aber auch zu viel Gewicht auf dem Rückfuß oder der Ferse können zu Überlastung führen.
    Ein Spreizfuß verstärkt sich über die Jahre, weshalb auch ein Schneiderballen und andere Fehlstellungen erst mit der Zeit entstehen.

 

So kannst du den Schneiderballen behandeln

Einen Schneiderballen kann man konservativ oder operativ behandeln. In sehr vielen Fällen kann ein funktionelles Fußtraining, die Ursachen des Schneiderballens verbessern und damit auch die Ausprägung des Schneiderballens verringern.

Damit du also aktiv ins Tun kommst und schon heute etwas für deine Fußgesundheit tun kannst, habe ich hier einige Tipps für dich, die bei einem Schneiderballen helfen können.

#1 Trage passende Schuhe / Gehe barfuß

Schuhe, die zu eng sind, können einen Schneiderballen begünstigen. Dein Fuß braucht Platz im Schuh!

Deshalb ist es wichtig, dass du die richtigen Schuhe für deine Fußform und auch entsprechend der richtigen Größe auswählst. Du solltest deine Füße vor jedem Schuhkauf ausmessen, denn nicht nur Kinderfüße, sondern auch die von uns Erwachsenen verändern sich immer noch mit der Zeit. Einen Artikel über die richtige Schuhgröße und worauf du beim Kauf achten solltest, findest du hier. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du deine Füße korrekt ausmessen kannst, kannst du dir hier unseren Guide zum Füße messen herunterladen.
Wenn du einen Schneiderballen hast, solltest du auch bei Sandalen darauf achten, dass die Riemchen an den richtigen Stellen über deine Füße verlaufen. Bestenfalls nicht über den Schneiderballen drüber, sondern daran vorbei. Außerdem empfehle ich, dass Sandalen ein Riemchen an der Ferse haben, damit der Schuh schön fest am Fuß sitzt und deine Zehen beim Gehen nicht krallen müssen, um den Schuh festzuhalten.

#2 Trainiere deine Füße

Am Fuß gibt es Muskeln, die du trainieren kannst. Du kannst sie stärken, um deinen Spreizfuß zu verbessern und somit auch dem Schneiderballen entgegenzuwirken. Doch wie soll man einzelne Muskeln am Fuß ansteuern?

Ein guter Vergleich ist das Wackeln mit den Ohren. Erinnere dich mal daran zurück, als du zum ersten Mal mit den Ohren wackeln wolltest. Bei den meisten Menschen klappt das nicht sofort. Wahrscheinlich hast du dir gedacht: „Wie soll das denn gehen?!” Ganz ähnlich ist es, wenn du die Muskulatur deiner Füße und deine Zehen nach Jahren wieder ansteuern möchtest. Zuerst weiß dein Körper nicht genau was zu tun ist, aber du kannst es auf jeden Fall wieder lernen, wenn du dranbleibst.

 

Übungen zur passiven Mobilisation des Schneiderballens

  • Geckozehen
    Die Geckozehen sind eine meiner liebsten Übungen. Hierbei versuchst du, mit allen Zehen außer der großen Zehe, kleine Treppchen zu formen. Deine Zehen saugen sich sozusagen wie bei einem Gecko am Boden fest. Achtung: Festsaugen bedeutet nicht krallen!
  • Kleinzeh abspreizen
    Versuche, deinen kleinen Zeh von den anderen Zehen nach außen hin abzuspreizen. Der Muskel, den du dazu nutzt, liegt außen an der Fußkante. Du kannst ihn streichen, klopfen, piksen, reiben usw., falls sich dein Zeh nicht von allein nach außen bewegt. Das hilft deinem Gehirn, diesen Zeh besser ansteuern zu können. Alternativ kannst du alle Zehen nach oben heben und nun versuchen, den kleinen Zeh abzuspreizen. Es ist egal, ob du stehst, sitzt, oder ob dein Fuß in der Luft ist.

 

Bonus-Tipp bei Schneiderballen

Regelmäßiges barfuß zu gehen auf verschiedenen Untergründen hilft die Muskulatur deiner Füße wieder zu aktiveren.

Wie du siehst, kannst du selbst aktiv einiges tun, um deine Füße zu stärken, deine Muskulatur aufzubauen und sie mit den richtigen Schuhen zu unterstützen. Ich hoffe, der Artikel hat dir geholfen, zu verstehen, was hinter dem Schneiderballen steckt und was du langfristig tun kannst.

Wenn du dir dabei Begleitung wünschst, findest du hier alle Infos über meine aktuellen Kurse. Wir freuen uns auf dich!

Wenn du noch Fragen oder Anregungen hast, hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

Liebe Grüße an die Füße

Vivi

Update: März 2024 von Danny & Tina

 

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